Versorgungskonzept Alter
Die Gemeinde Bassersdorf hat im November 2024 ihr Versorgungskonzept umfassend überarbeitet, um auf die aktuellen Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und gesellschaftlichen Trends zu reagieren. Dabei stehen die Sicherstellung einer nachhaltigen, bedarfsgerechten Versorgung und die Förderung von Selbstbestimmung und Lebensqualität im Mittelpunkt. Dieses Konzept legt die Grundlage für eine zukunftsorientierte Alterspolitik und greift dabei auf rechtliche Rahmenbedingungen, fundierte Analysen und die Zusammenarbeit mit regionalen Partnerinnen und Partner zurück.
Herausforderungen in der Altersversorgung & zukunftsweisende Trends
Das Versorgungskonzept trägt der wachsenden Bedeutung einer altersgerechten Versorgung Rechnung. Die Gemeinde Bassersdorf sieht sich wie viele andere Gemeinden mit dem demografischen Wandel konfrontiert:
- Die Zahl der 65-Jährigen wird bis 2040 um 50% steigen.
- Besonders die Altersgruppe 85+ zeigt eine starke Zunahme um 136% bis 2040, was zu einer höheren Nachfrage nach Pflege und Unterstützung führt.
Wichtigen gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklungen werden mit dem Versorgungskonzept ebenfalls Rechnung getragen:
- Ausbau der ambulanten Pflege: Mit dem Grundsatz "ambulant vor stationär" sollen Pflegebedürfnisse möglichst lange durch häusliche Pflege oder intermediäre Angebote gedeckt werden.
- Demenzversorgung: Die Zahl der Demenzfälle wird sich bis 2050 verdoppeln. Die Gemeinde Bassersdorf plant daher spezialisierte Versorgungsstrukturen und präventive Angebote, die sowohl Betroffene als auch Angehörige unterstützen.
- Digitalisierung: Die Integration digitaler Technologien fördern die Selbstbestimmung und Effizienz der Versorgung.
Bestehende Versorgungsstruktur
Die Gemeinde Bassersdorf bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen, die ambulante, intermediäre und stationäre Bereiche umfassen. Dieses Modell wird durch informelle Angebote ergänzt und auf die Anforderungen der Bevölkerung abgestimmt.
Ambulante Versorgung
Die Spitex ist ein zentraler Bestandteil der ambulanten Pflege und sorgt dafür, dass ältere Menschen in ihrem gewohnten Umfeld betreut werden können. Sie bietet Leistungen wie Grundpflege, hauswirtschaftliche Unterstützung und Mahlzeitendienste. Um das Spitex-Angebot für die Einwohnerinnen und Einwohner sicher zu stellen, hat die Gemeinde Bassersdorf eine entsprechende Organisation mittels Leistungsvereinbarung beauftragt.
Private Anbieter gewinnen aber zunehmend an Bedeutung und übernehmen etwa 40% der ambulanten Pflegeleistungen.
Stationäre Angebote
Während leichtere Pflegebedürfnisse ambulant abgedeckt werden, konzentrieren sich stationäre Einrichtungen zunehmen auf die Betreuung schwerer Pflegefälle. In der Gemeinde Bassersdorf werden zwei Pflegeeinrichtungen betrieben:
- Alters- und Pflegezentrum Breiti (50 Plätze): Dieses Heim wurde saniert und um eine spezialisierte Demenstation erweitert. Es dient als wichtiger Versorgungskontenpunkt in der Gemeinde.
- Pflegezentrum Bächli (102 Plätze): Das KZU ist ein überkommunales Zentrum, das gemeinsam mit 20 Gemeinden organisiert ist.
Das Angebot wird künftig durch neue Projekte wie die Seniorensiedlung Oase mit 32 Wohnungen mit Pflegeoption ergänzt (geplante Eröffnung 2026).
Intermediäre Angebote
Die Gemeinde Bassersdorf setzt auf flexible Wohn- und Betreuungsmodelle:
- Im Breitipark stehen 56 hindernisfreie Wohnungen für Seniorinnen und Senioren zur Verfügung, die durch ambulante Dienste ergänzt werden.
- Betreutes Wohnen oder "Wohnen mit Service" bietet Seniorinnen und Senioren ein betreutes Wohnumfeld, das Eigenständigkeit mit Unterstützung kombiniert.
- Tages- und Nachtstrukturen des KZU in Embrach entlasten pflegende Angehörige und ermöglichen vorübergehende Betreuung.
Informelle Unterstützung
Geht man davon aus, dass die familiäre und informelle Betreuung rund 50% der gesamten ambulanten Leistungen ausmacht, wird deutlich, dass diese Versorgungsform systemrelevant ist. Die Gemeinde Bassersdorf profitiert von einem gut entwickelten Netzwerk aus Freiwilligen und Organisationen. Angebote der Fachstelle für Altersfragen, der Besuchsdienst "va bene", der Mittagstisch oder die Nachbarschaftshilfe leisten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration und Entlastung von Angehörigen.
Bassersdorf sieht die ältere Bevölkerung nicht nur als Empfänger von Leistungen, sondern auch als aktive Ressource. Freiwilligenarbeit und generationsübergreifende Projekte fördern die soziale Integration und tragen zur Lebensqualität bei.
Strategische Handlungsfelder und Ziele
Das Versorgungskonzept orientiert sich an zwei zentralen Handlungsfeldern:
- Versorgungssicherheit: Ziel ist es, eine bedarfsgerechte, finanzierbare Pflegeversorgung sicherzustellen. Hierfür arbeitet die Gemeinde eng mit Partnern au der Versorgungsregion Bülach-Südwest zusammen.
- Lebensraumgestaltung: Altersgerechtes Wohnen, soziale Teilhabe und gesundheitsfördernde Angebote sollen die Lebensqualität älterer Menschen sichern und ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.
Das Versorgungskonzept setzt auf eine ausgewogene Kombination aus Innovation und Tradition, um den Anforderungen einer alternden Gesellschaft gerecht zu werden. Mit einem klaren Fokus auf Selbstbestimmung, Nachhaltigkeit und regionaler Zusammenarbeit legt die Gemeinde Bassersdorf die Grundlage für eine zukunftssichere und menschliche Alterspolitik.
Hier [pdf, 845 KB] finden Sie das vollständige Versorgungskonzept Alter vom November 2024.